Umbau einer Kirche zum Wohnhaus

Schallaustrittsöffnungen mit Streckmetall bekleidet/geschlossen

Beim Umbau einer Kirche zum Wohnhaus kam Titanzink nicht nur für die Dachdeckung, sondern auch als Bekleidung für den Turm und seiner Schallluken zum Einsatz.

Die evangelische Kirchengemeinde Nieder-Roden will ein bereits bestehendes Gemeindezentrum ausbauen und künftig als modernen Mittelpunkt der Gemeindearbeit nutzen. Mit dieser Konzentration verbunden war am Ostersonntag 2013 der Abschied von der Christuskirche, der allerdings weniger als Aufgabe, sondern eher als Umzug verstanden wurde: Die alten Kirchenfenster, die Orgel und die Glocken wurden ausgebaut und sollen im Gemeindezentrum einen neuen Platz erhalten.

Zurück blieb die bauliche Hülle der 1961/62 erbauten Christuskirche, die ein privater Bauherr erworben und zum eigenen Wohnhaus umgebaut hat. Die Gemeinde ist froh über diese angemessene Nachnutzung des ehemaligen Gotteshauses, zumal der neue Besitzer bei seiner Modernisierung viel Respekt und Sensibilität gegenüber der Bausubstanz zeigte. So bewahrte er die Grundstruktur der zwei verschieden hohen Kirchenschiffe mit ihrem hellen Außenputz und den flachgeneigten Pultdächern. Lediglich die veränderte  Fenstergeometrie deutet an, dass sich dahinter eine neue Baustruktur auf nunmehr zwei Etagen verbirgt. Selbst den markanten Glockenturm aus Klinkermauerwerk hat der Bauherr erhalten und saniert, sodass die Geschichte des Bauwerks weiterhin erkennbar bleibt.

Die gestalterische Klammer, die das gesamte Ensemble architektonisch zu einer Einheit zusammenfasst, bildet der Werkstoff Titanzink. Die Dächer und die Dachentwässerung wurden ebenso mit diesem Material in der RHEINZINK-Qualität prePatina schiefergrau ausgeführt wie die Fassadenbekleidung an einer Turmseite und an zwei Erkern. Die ehemaligen Schallluken im Turm erhielten eine Bekleidung mit Titanzink-Streckmetall, das die ehemalige Funktion dieser Öffnungen noch erahnen lässt, auch wenn hier heute keine Glocken mehr läuten.

Schalungsbahn als Gewerkegrenze

Nachdem der Zimmermann den Dachstuhl soweit erforderlich erneuert, eine Zwischensparrendämmung eingebaut und die Schalung samt Schalungsbahn aufgebracht hatte, übernahm Spenglermeister Klaus-Peter Gerhart aus Kleinwallstadt die Ausführung aller Metallarbeiten. Die Schalung besteht aus 22 mm dicken OSB-Platten, auf denen als diffusionsoffene Schalungsbahn (sd ca. 0,02 m) eine Delta-Vent S Plus verlegt wurde.

„Wenn ich rechtzeitig in die Absprachen eingebunden bin, versuche ich stets, diesen Aufbau und diese Gewerkegrenze zu vereinbaren“, erklärt Klaus-Peter Gerhart. „Denn der Zimmermann kann mit der Schalungsbahn seine Arbeit vor Niederschlägen schützen und wir haben eine Behelfsdeckung bis zum Beginn der Dacharbeiten. Gleichzeitig finde ich eine glatte und bei Bedarf leicht zu reinigende Fläche vor, auf der ich dann die strukturierte Trennlage verlege.“

Bei einem solchen Aufbau benötigt die Strukturmatte keine eigene Folie, weshalb AIR-Z von RHEINZINK zum Einsatz kam, ein Strukturgeflecht ohne Folienkaschierung. Das Strukturgeflecht sorgt für eine sichere Abführung der Feuchtigkeit unter den Scharen, die auf den Pultdächern der ehemaligen Kirche mit 7° Regeldachneigung verlegt wurden. Angesichts der geringen Neigung erhielten die Hauptdachflächen eine Doppelstehfalzdeckung, während das knapp 30° geneigte kleine Dach des Turms die optisch prägnantere Winkelstehfalzdeckung zeigt.

Eine besondere Herausforderung war die Integration von zwei niedrigen Gauben in das ohnehin schon sehr flach geneigte südliche Pultdach. Mit einer elegant ausgeführten rückseitigen Kehle und einer leicht erhöhten Attika auf der Vorderseite gelang auch hier eine saubere Wasserführung. Diese Details wie auch alle Abschlüsse der Pultdächer an First und Traufe, an den Ortgängen sowie an der aufgehenden Wand stellte die Spenglerei Gerhart in handwerklicher Präzision mit selbst gefertigten Zuschnitten her. Lediglich für die vorgehängte Dachrinne und die Regenfallrohre kamen industrielle Formteile aus dem RHEINZINK-Sortiment zum Einsatz.

Offene Bauweise beibehalten

Wenn die rund 200 m² Dachfläche auf der ehemaligen Christuskirche auch den mengenmäßig größten Anteil der Arbeit darstellte, waren die Arbeiten am Turm die technisch und architektonisch spannendere Herausforderung – schon allein, weil der Turm einen markanten Blickfang darstellt, der jedem Vorbeigehenden sofort ins Auge fällt.

Die nach Norden orientierte Turmseite war schon bei der Erbauung geneigt ausgeführt worden, was dem ganzen Kirchengebäude eine gewisse Leichtigkeit und wenn man so will Beschwingtheit verleiht. Die geneigte Fassade bietet allerdings der Witterung mehr Angriffsfläche, was den Klinkern zwar selbst nach über 50 Jahren kaum anzusehen war, wohl aber den Fugen. Um nicht  in einigen Jahrzehnten eine erneute Fugensanierung durchführen zu müssen, entschloss sich der Bauherr zu einer endgültigen Lösung und ließ die Nordseite ebenfalls mit Titanzink bekleiden. Durch die hier  wiederum verwendete Winkelstehfalzdeckung entstand am Turm eine so vorher gar nicht vorhandene Einheit aus Dach und Wand.

Zusätzlich betont wird diese Einheit durch die ebenfalls aus Titanzink prePatina schiefergrau hergestellten Abschlüsse der Schallluken in der Ost- und Westwand. Waagerecht orientierte Lamellen aus Eiche Natur hatten hier vorher die Glocken gegen die Witterung geschützt, gleichzeitig aber ihr Läuten hinaus dringen lassen. Auch wenn diese Funktion heute nicht mehr benötigt wird, erinnern die Öffnungen im Streckmetall, mit denen die Schallluken heute verschlossen sind, noch an den alten Zweck.

Zunächst war erwogen worden, den alten Glockenraum komplett mit Plexiglas hinter dem Streckmetall abzuschließen. „Dann hätten wir allerdings einen geschlossenen Hohlraum erzeugt, dessen Feuchtigkeit nicht entweichen kann“, erklärt noch einmal Klaus-Peter Gerhart. „Deshalb haben wir für eine offene Bauweise mit einem Insektengitter plädiert.“

Aus den plan gelieferten Titanzink-Streckgittern 700 x 4.500 mm fertigten die Spengler 600 mm hohe, doppelt umgekantete Kassetten, in deren Randprofilierung ein Nylonnetz eingelegt wurde, welches mit  U-Profilen fixiert ist. Die so vorbereiteten Elemente konnten anschließend mit Blindnieten auf den ebenfalls neu eingebauten Aluminiumrahmen innerhalb der Schallluken montiert werden. Es entstand eine waagerechte Textur, die Assoziationen an die ursprünglichen Eichenholzlamellen weckt.

Fazit: Durchgängige Material- und Formensprache.

Wie das Beispiel Rodgau zeigt, können kleinere Kirchen so zu Wohnhäusern umgebaut werden, dass ihre bauliche Grundstruktur erhalten und ihre Vorgeschichte damit ablesbar bleibt. Titanzink hat sich dabei nicht nur als dauerhafte Dachdeckung bewährt, sondern auch als Material für die Details am Turm und seinen Schallluken. Mit individuell hergestellten Kassetten ließen sich das Streckmetall in Geometrie und Gestaltung harmonisch in die unregelmäßig geformten Öffnungen des Turms einpassen.

Projekt:
Umbau Kirche zum Wohnhaus

Ausführung:
Gerhart Spenglerei UG, Metalldächer – Wandverkleidungen, Kleinwallstadt

Material:
RHEINZINK-prePatina schiefergrau in Doppel- und Winkelstehfalzdeckung, Streckmetall in prePatina schiefergrau für die Schallluken