Victoriahöfe Berlin
Architektonisches Juwel
Die Victoriahöfe in Berlin-Kreuzberg zählen zu den herausragenden Revitalisierungsprojekten der Hauptstadt. Unter der Leitung von GBP Architekten wurde das ehemals größte Verwaltungsgebäude der Welt denkmalgerecht modernisiert und einer zeitgemäßen Nutzung zugeführt. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Dachgeschoss: Der neobarocke Prachtbau von 1913 erhielt seine charakteristischen Ziergiebel zurück – interpretiert in einer Formensprache der heutigen Zeit und gedeckt mit RHEINZINK-prePATINA ECO ZINC blaugrau.
Ein historisches Bauwerk
Als das Ensemble in Berlin-Kreuzberg 1913 fertiggestellt war, galt es als eines der größten Verwaltungsgebäude weltweit: Die monumentale Zentrale der Victoria-Versicherung gruppierte sich um zwölf Höfe und beherbergte hinter palastartigen Fassaden die Arbeitsplätze von bis zu 3.200 „Bureaubeamten“, wie man damals noch sagte. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist noch rund ein Drittel der Substanz vorhanden. Kriegsschäden in den Obergeschossen waren zudem nur sehr einfach und wenig stilgerecht repariert worden. Doch die erhalten gebliebene rund 130 m lange Fassade entlang der Lindenstraße lässt immer noch erahnen, was für eine neobarocke Pracht der Architekt Wilhelm Walther (1857–1917) für die Versicherung einst entworfen und gebaut hatte.
Giebel neu gedacht: Form, Funktion und Historie
Wilhelm Walther hatte die lange Straßenfront mit insgesamt fünf Risaliten gegliedert, über denen sich jeweils opulente Ziergiebel erhoben. Bei der Reparatur nach 1945 verzichtete man auf diese Giebel und setzte stattdessen ein durchgehendes, völlig schmuckloses Dachgeschoss mit Dachpappedeckung auf. Dieses Nachkriegsgeschoss wurde im Rahmen der jetzigen Modernisierung komplett zurückgebaut und durch eine zweigeschossige Stahlbetonkonstruktion ersetzt. Das erweiterte nicht nur die nutzbare Fläche im Gebäude, sondern erlaubte auch eine völlige Neugestaltung der Dachlandschaft.
Sie gliedert sich in die unteren, rund 87° geneigten Steilmansarden mit senkrechten Fenstern sowie die darüber liegenden Hauptdachflächen mit Neigungen von 45° auf der Hof- und 65° auf der Straßenseite. Integriert sind zudem eine Reihe von Loggien und auf der Hofseite auch Dachfenster.
Den Höhepunkt der Dachgestaltung bilden die neu interpretierten Giebel über den historischen Risaliten, die an den beiden Außenseiten als Dachspitzen und an den drei dazwischenliegenden Giebeln als markant gewölbte, kuppelähnliche Konstruktion ausgeführt sind. Unter diesen Rundungen entstanden beeindruckende Veranstaltungssäle mit bis zu 8 m hohen Glasfassaden und einem atemberaubenden Ausblick über die Dächer Berlins.
Wunderschöne Details
Material, das Geschichte erzählt
Zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefasst wird die vielgestaltige Dachlandschaft von der Titanzink-Deckung. Das traditionelle Material und seine handwerkliche Verlegung fügen sich sowohl in die historischen Formen der Fassade als auch in die neuzeitliche Architektur der Giebel nahtlos ein. Titanzink ist damit das Bindeglied zwischen der überlieferten Fassade und der neuen Dachkonstruktion. Bei dieser Doppelfunktion lag es nahe, mit der Oberfläche RHEINZINK-prePATINA blaugrau zu arbeiten, die in einem speziellen Beizprozess bereits ab Werk eine edle Optik erhält. Sie vermeidet auf dem Dach vom ersten Tag an einen offenkundigen neuen Eindruck, nach der Verlegung beginnt unter dem Einfluss der Witterung die natürliche Patinabildung.
Die Entscheidung für die alle Gebäudeteile zusammenfassende Dachdeckung fiel in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Aus Recherchen war zwar bekannt, dass die Straßenseiten ursprünglich mit Kupfer und die hofseitigen Dachflächen mit Ziegeln gedeckt waren. Im Sinne des homogenen Gesamteindrucks verständigten sich alle Beteiligten jetzt jedoch auf eine moderne Neuinterpretation des historischen Materialkanons mit vorbewittertem Titanzink blaugrau.
Denn für Investor Cresco Capital lag die Vision nicht allein im Erhalt historischer Substanz, sondern in einer zeitgemäßen Sichtweise. „Wir möchten die Geschichte sichtbar lassen und gleichzeitig ein Gebäude schaffen, das eine nachhaltige Zukunft hat“, betont Projektverantwortlicher Alexander Bürk. Nachhaltigkeit und ESG-Konformität waren zentrale Kriterien.
Das blaugraue Titanzinkdach von RHEINZINK verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und macht das Gebäude wieder zu dem, was es einst war: ein architektonisches Juwel Berlins.
Warum RHEINZINK prePATINA EcoZinc blaugrau?
RHEINZINK prePATINA ECO ZINC blaugrau besticht durch seine vorbewitterte Oberfläche, die vor ungleichmäßiger Patinierung schützt. Echtes Titanzink, das sich präzise falzen, formen und löten lässt – ideal für anspruchsvolle Dach- und Fassadenrestaurierungen mit dauerhaft eleganter Optik.
Beeindruckende Innenansicht
Die Dachdecker der Victoriahöfe
Große Verantwortung, große Freude – mit RHEINZINK
Handwerk am Denkmal
„Es ist ein Privileg, an so einem Gebäude zu arbeiten.“ Mit diesen Worten beschreibt Dachdeckermeister Schulze von der Firma Holzapfel & Schulze GbR seine Erfahrung am Projekt Victoriahöfe in Berlin-Kreuzberg. Gemeinsam mit seinem Team von 20 Fachkräften war er verantwortlich für die aufwendige Dachdeckung des denkmalgeschützten Gebäudes – insgesamt rund 3.400 m² Fläche wurden in mehreren Bauabschnitten von 2019 bis 2023 mit RHEINZINK-prePATINA blaugrau eingedeckt.
Für die Handwerker war das Projekt eine besondere Herausforderung. „Man kann vorher nie alles genau planen. Vieles entwickelt sich erst am Baukörper selbst. Wir mussten jedes Blechteil individuell anpassen, damit es exakt zum historischen Charakter passt“, berichtet Schulze. Gerade bei den Frontspießen in den Höfen, die wiederhergestellt wurden, war höchste Präzision gefragt. „Da steckt viel Detailarbeit drin. Es war anspruchsvoll, aber am Ende ist es richtig gut geworden.“
Funktionsgerechter Dachaufbau für jede Neigung
Holzapfel & Schulze begannen die Arbeiten auf der neu errichteten Tragkonstruktion des Daches aus Stahlbeton mit darauf liegender Dampfsperre und 180 mm Aufdachdämmung. Die Dämmebene ist mit einer Unterdeckbahn abgedeckt. Im Anschluss folgt die Konterlattungsebene, die den Belüftungsraum herstellt, sowie die Tragschalung. Als Witterungsschutz der Konstruktion während der Bauphase, wurde darauf im ersten Schritt eine flächige Trennlage verlegt. Im Zuge des weiteren Baufortschritts wurde die Strukturmatte RHEINZINK-AIR-Z verlegt, sodass die Funktionalität einer strukturierten Trennlage gegeben ist. Die Trennlagenkombination sorgt für eine sichere Ableitung von möglichem Kondensat und bietet des Weiteren eine verbesserte Gleitfähigkeit der Schare bei thermischer Längenänderung.
Harmonie in den Details
Eine Herausforderung auf dem stark gegliederten Dach war die Dacheinteilung, die praktisch für jede Teilfläche zwischen den Giebeln, Dachfenstern und Loggien neu vorgenommen werden musste. Dadurch gab es keine Standardbreite der Schare, die stattdessen mit jeweils individuellen Maßen überwiegend aus 670 mm breiten Bändern auf der Baustelle zugeschnitten und gefalzt wurden.
Trotz dieser Vielfalt wirkt die Deckung jedoch ruhig, weil mit einer sorgfältigen Detailplanung darauf geachtet wurde, dass die Falze in jeder Teilfläche vom Hauptdach zur Mansarde in einer Linie durchlaufen. Auch auf den Hofseiten, wo rund 180 Dachfenster in die Hauptdachflächen der verschiedenen Gebäudeflügel zu integrieren waren, sollte ein harmonisches Linienbild entstehen, weshalb die Dachfenster nicht mit Standard-Eindeckrahmen, sondern in handwerklicher Falztechnik eingefasst wurden. Je nach Position sind die Fenster mit elektrischen Antrieben und Sonnenschutzeinrichtungen ausgestattet.
Die Fallrohre der Dachentwässerung verlaufen analog zum historischen Vorbild vor der Fassade. Die Regenrinnen fügen sich durch die konsequente Ausbildung als Gesimsrinne sehr dezent in die Architektur ein und sind praktisch nicht als eigene Bauteile erkennbar. Was ähnlich auch für die Belüftung des Dachs gilt: Sowohl am Fuß des Mansarddachs als auch im Knickbereich zu den Hauptdachflächen sowie an deren oberen Ende befinden sich jeweils Lochbleche für die Be- und Entlüftung, die aus der normalen Betrachtungsposition von unten nicht zu erkennen sind.
Gerade bei einem so fein gegliederten Dachaufbau war die Wahl des Materials entscheidend. Mit RHEINZINK-prePATINA blaugrau stand den Verarbeitern ein Werkstoff zur Verfügung, der nicht nur durch seine hochwertige Optik überzeugte, sondern auch durch seine Verlegeeigenschaften. Die Oberfläche sorgt vom ersten Tag an für ein homogenes Gesamtbild. Bei komplexen Anschlüssen und individuell zugeschnittenen Scharen zeigte sich zudem, wie verlässlich sich das vorbewitterte Material bearbeiten lässt: stabil in der Handhabung, gut falzbar und besonders geeignet für saubere Detailausbildungen. Damit wurde es möglich, die anspruchsvolle Geometrie des Dachs nicht nur technisch präzise, sondern auch optisch durchgängig harmonisch umzusetzen – ganz im Sinne des Denkmalschutzes und des architektonischen Gesamteindrucks.
Ergänzungen bleiben ablesbar
Es sind gerade diese Details, die die ästhetische Qualität der Dachdeckung ausmachen. Sie ist geprägt von der ruhigen Materialoptik, der Gleichmäßigkeit in der Anordnung der Loggien und Dachfenster und hebt gleichzeitig die neuen Ziergiebel hervor.
Auch wenn die Victoriahöfe nach ihren Kriegsverlusten heute sicher nicht mehr das größte Bürogebäude der Welt sind, konnte die sensible Wiederherstellung und Modernisierung doch den ursprünglich vom Architekten Wilhelm Walther angestrebten opulenten Eindruck zurückgewinnen – wobei alle neuzeitlichen Bauteile durch ihre Formensprache und ihre Titanzink-Deckung eindeutig als moderne Architekturelemente ablesbar bleiben.
Daten & Fakten
Projekt:
Baujahr:
Ort:
Material und Tonnage:
Architekt:
Handwerker:
Bauherr:
Modernisierung & denkmalgerechte Erneuerung der Victoriahöfe in Berlin
1913
Berlin
12 t, RHEINZINK-CLASSIC walzblank
48 t, RHEINZINK-prePATINA ECO ZINC
GBP Architekten GmbH, Berlin, Germany
Dachdeckerei Holzapfel & Schulze GbR, Berlin, Germany
Cresco Capital Victoriahöfe S.à r.l
Video Victoriahöfe
Fotos: Cornelia Suhan
Drohnenaufnahmen: Maximilian Loos
historische Fotos: CRESCORE






















